Nur noch kurz die Welt joggen

Lutz Blohm, LiquidKool360, CC BY-SA 2.0; eigene Montage

Lutz Blohm, LiquidKool360, CC BY-SA 2.0; eigene Montage

Ich bin ein Freizeitläufer. Einmal in der Woche 5 bis 10 Kilometer am Kanal entlang zu joggen, bei gutem Wetter auch durch den Wald – allein, entspannt, ohne sportliche Ambitionen und mit guten Musik auf den Ohren – das tut mir gut und hilft, nach einem Arbeitstag oder einer Arbeitswoche die Gedanken zu sortieren.

Gestern war ich ehrgeiziger.
Schließlich musste ich die Welt retten.

Auf dem Hinweg, einer Strecke entlang des Kanals, kam Ina mir entgegen. 80 Meter lang, mit sicherlich 1000 PS unter Deck und voll beladen mit 1000 Tonnen Schrott.
Ich lief noch 200 Meter weiter in meine Richtung, bis ich realisierte, welche Gefahr von 1000 Tonnen Schrott ausgehen können. Schon mal jemand Transformers gesehen?
Challenge accepted.
Ich musste das Monster einfangen.
Drehte um und lief ihm hinterher.

Ehrlich gesagt hatte ich nur eine ungefähre Ahnung, wie schnell ein Lastkahn den Kanal entlang schippert. Ich hatte schon mal Steffi überholt, aber erstens war ich da auf dem Rad, und zweitens: war Ina auf der Flucht! Sie wusste, dass ich ihr auf den Fersen war. Und wenn sich irgendein Schrottteil ihrem Schiffsbauch zu einem Kampfroboter transformen würde, wäre sie sogar gefährlich. Also, dachte ich: Pack sie dir!

Langsam verringerte ich den Abstand zu dem vor mir her blubbernden Kahn. Ich auf der Kanalpromenade, das Stahl-Ungetüm auf dem Wasser.
Die letzten 200 Meter waren am schlimmsten. Denn Ina stinkt hinten nach verquirltem Diesel. Für den Sauerstoffbedarf eines Freizeitläufers auf Weltrettungsmission ist das nicht unbedingt gut.
An der Brücke hatte ich sie erreicht. Ina bekam einen Vorsprung, weil ich die Brücke queren musste. Das hat sie natürlich eiskalt ausgenutzt und ein paar Meter gutgemacht. Ich wäre trotzdem von der Brücke auf die Ladefläche gesprungen, wenn sich dort irgendwas transformiert hätte. Zum Glück war da aber alles ruhig. Die 1000 Tonnen Schrott schienen zu schlafen. Glück gehabt.

Am zweitschlimmsten war der Weg vom Heck zum Bug. 80 Meter vorbei an einem Metallmonster, dass sich merkbar herausgefordert fühlte – das ist nichts für schwache Nerven. Und nichts für Freizeitläufer. Der rote Bereich lässt grüßen.

Schließlich hatte ich sie überholt. Obwohl ich mich auf den letzten zwei Kilometern noch mehrmals umdrehte, vergrößerte sich unser Abstand stetig. Ina schien ihre Niederlage im Kampf Mensch gegen Maschine zu akzeptieren.
Das muss als Lektion genügen, dachte ich. Ich verließ die Kanalpromenade in Richtung Dusche und ließ Ina weiterziehen. Der Pott war sowieso auf dem Weg Richtung Pott, wo mächtige Stahlofen auf Inas potentiell gefährliche Ladung warteten.
Für den Schrott dürfte das dann die letzte Transformation gewesen sein.
Mission completed.

Unter der Wolkenglocke

werktuigendagen / CC BY-SA  2.0

werktuigendagen / CC BY-SA 2.0

Seit drei Tagen regnet es. Ich kann im Prinzip damit gut leben, immerhin ist das Regenwetter passend zu meinem Urlaubsende gekommen, um mir nach drei Sonnenwochen klar und deutlich zu sagen: Der Ernst des Lebens ist wieder da.
Doch leider stinkt er.

Offenbar haben auch die Landwirte der Region Urlaub gehabt und schmeißen nun alles, was sich in den Ferien an Gülle angesammelt hat, auf die Felder. Ich bin kein Meteorologe, aber ich vermute, die dichte Wolkendecke verhindert einen ordentlichen Luftaustausch. Es mieft draußen seit vorgestern auf jeden Fall mächtig. Zeit für Urlaub.

Tatort: Vorgarten

Dass wir eine andere Vorstellung gelungener Vorgartengestaltung haben als die meisten unserer Nachbarn, hatte ich an anderer Stelle bereits erwähnt.

Jerrye & Roy Klotz MD, CC-BY-SA-3.0

Jerrye & Roy Klotz MD, CC-BY-SA-3.0

Die Buchsbäume vor unserem Küchenfenster werden nicht in Form geschnitten, und in der Mitte des Beetes thront anstatt des spiralförmigen Grüngewächses, das unser Vormieter gepflanzt hat, ein wild wachsender Oldschool-Rhododendron. Meine Frau und ich lieben Rhododenren.

Weniger beschneiden: ja – aber weniger lieben tun wir unseren Vorgarten nicht. Genausowenig die schöne Blume, die uns dort seit Juni Freude bereitet hat, obwohl wir sie weder gepflanzt, noch beschnitten, noch eingeladen haben. Anhand der Blume habe ich meinem Sohn die erklärt, wie willkürlich wir Menschen zwischen Kulturpflanzen und Unkraut unterscheiden, als das das Gewächs bei den meisten Menschen wohl gelten würde. Und selbstverständlich haben Vater und Sohn in den heißen Augustttagen nicht nur die Buchsbäume und den Rhododendron, sondern auch unsere Wildkräuterfreundin gegossen.

Als wir nun aus dem einwöchigen Urlaub zurück gekommen sind, war sie weg. Nicht verdorrt, nicht weggeweht: Die Pflanze wurde definitiv ausgerissen.

Wollte uns dort jemand eine Lektion in Vorgartenpflege erteilen?
Uns erinnern, den Buxen endlich mal mit der Gartenschere zu Leibe zu rücken?
Uns drohen, endlich symmetrisch zu pflanzen?

Die Ermittlungen laufen. Die Versuche, das Verschwinden der Blume den Kindern zu erklären, auch.