Kommunion wo wir jetzt woh’n.

Dennoch war mir diese Tradition, vor allem ihn ihrer Protokollhaftigkeit (hier treffen sich die Frauen zum Röschenbinden, da muss die Mutter des Kommunionkindes Kuchen hinbringen, in dieser Garage finden die letzten Vorbereitungen statt) neu.

Diese Zeilen schrieb ein Neuemsländer drei Monate nach Eröffnung seines Blogs über die Kommunion des Nachbarsjungen. Nun ist sein eigener Sohn zu Erstkommunion gekommen.

Dank meiner Erfahrungen als Kommunion-Zuschauer vor vier Jahren, dem allgemein besseren Einblick in die hiesigen Gepflogenenheiten und vor allem der Tatsache, dass in der Nachbarschaft drei weitere Kommunionkinder leben, deren Eltern die mit dem Fest verbundenen Traditionen kennen, ist ein wunderschönes Fest geworden. Dazu hat fraglos auch der von den Nachbarsfrauen gefertigte Schmuck vor unserem Haus beigetragen. Unser Sohn war ganz aus dem Häuschen!

Eine Wissenslücke ist aber leider doch zum Fettnäpfchen geworden: Uns war nicht bekannt, dass Glückwunschkarten bringende Kinder an der Tür Schokolade bekommen, selbst wenn sie von uns ebenfalls eine Karte bekommen. So lassen sich auch die fragenden Gesichter beim Türeschließen erklären, ebenso wie unsere Verlegenheit, nachdem wirs gecheckt hatten.
Aber versprochen: Beim nächsten Mal – unsere Mittlere ist in drei Jahren dran – sind wir besser vorbereitet. Ist ja dann für uns schon Drittkommunion.

Emsland – Deutschland 3:2

Demografische Assimilation könnte man es nennen.
Oder: Wer gebiert, wird  integriert.

Während Papa und Mama auch nach fünf Jahren an mancher Stelle noch mit ihrer neuen Heimat hadern, sind in ihrem Haus Fakten geschaffen worten: Das Verhältnis von Emsländern zu Nicht-Emsländern in unserem Haushalt hat sich mit der Geburt unseres dritten Kindes Ende August zu einem emsländischen Überhang entwickelt. Neben mir, der vor fast vier Jahrzehnten in Meppen zur Welt gekommen ist und seine ersten anderthalb Jahre im Emsland gelebt hat, und unser großen Tochter, die hier kurz nach dem Umzug aus Berlin zur Welt gekommen ist, ist unsere Jüngste also der dritte gebürtige Emsländer in unserer Familie. Meine Frau, eine gebürtige Westfälin, und unser großer Sohn, geboren 2009 in Berlin-Charlottenburg, sind als Nicht-Locals also in der Minderheit.
Doch: Hat das wirklich etwas zu bedeuten?
Ist der Geburtsort nicht nur Zufall?
Werden unsere Töchter irgendwann stolz auf ihren Geburtsort sein? Werde ich es?
Werden sie die emsländische Mentalität, die nicht meine ist, annehmen?
Werden sie das Emsland ihre Heimat nennen?
Was heißt das für unsere Familie?

Das liegt sicher auch an uns. Also: Packen wir’s an!
Wer sagt denn, dass die Familienplanung abgeschlossen ist?

Quengelware auf Rädern

Keine Fotomontage: Der Fahrer schleckt ein Eis.

Keine Fotomontage: Der Fahrer schleckt ein Eis.

Quengelware war für meine Mutter ein Graus. Kein Einkauf ging zu Ende, ohne dass meine Schwestern und ich an den Regalen links und rechts der Kasse irgendwas entdeckten, das wir haben wollten. So unbedingt und jetzt und hier, dass wir hin und wieder die Drohung „Das nächste Mal bleibst du zuhause!“ zu hören bekamen.
Klar, da wo Menschen anstehen, können sie nicht weg. Im Radio habe ich mir dieses Prinzip zunutze gemacht und Praktikanten und Praktikantinnen, die für eine Umfrage raus gingen, zum Reichstag geschickt. Dort stehen ebenfalls viele Leute in einer Schlange, die alle die Kuppel besichtigen wollen. Und können dort ebenso nicht weg (denn dann sind sie ja aus der Schlange raus). Noch schöner: Da sind Menschen aller Altersstufen und aus allen Regionen – perfekt für eine abwechslungsreiche Umfrage.

Nun aber gibt es Quengelware auf Rädern – Eiswagen. Also nicht wir bewegen uns zwangsweise an etwas vorbei, was für Kinder reizvoll ist, sondern es bewegt sich etwas an uns vorbei, was für Kinder reizvoll ist. Und hier hinkt der Vergleich mit der Supermarktkasse – denn der Eiswagen sucht uns heim.

Klar: Eiswagen gab es immer schon, aber erst seit meine Kinder der werberelevanten Zielgruppe angehören, nerven mich die Autos und ihre Fahrer enorm. Egal, wie vernünftig unsere Kinder im Bezug auf Süßigkeiten sind, egal ob sie heute bereits ein Eis in der Innenstadt oder aus der Truhe gegessen haben: Wenn der Eiswagen durch unser Wohngebiet kurvt, gibt es entweder ein Eis, oder Geschrei.

Was mich dabei ärgert:

  1. Der Wagen kommt vornehmlich abends um halb sieben – kurz vor dem Abendbrot, wenn unsere Lütten also garantiert kein Eis mehr essen dürfen.
  2. Der Eismann macht einen Heidenkrach. Er spielt Grußkartenmusik über eine Megaphon, scheppert einen Tusch und ein gesungenes „Ice-Creeeeaam“ durch den Lautsprecher und bimmelt wie blöd mit einer Glocke aus dem Fenster. Der Lärm durchdringt das ganze Haus und jegliche andere Beschäftigung.
  3. Das Eis schmeckt doof.

Kurzum: Als Vater von kleinen Kindern sind die Eiswagen meine Feinde. Sie stellen unsere elterliche Pädagogik immer wieder auf eine harte Probe. Sie provozieren entweder Kindergeschrei oder pädagogische Inkonsequenz.
Ich stehe dazu, dass ich Eiswagen hasse.

Vor lästiger Telefonwerbung kann man sich doch auch schützen, warum nicht vor Eiswagen?