Quengelware auf Rädern

Keine Fotomontage: Der Fahrer schleckt ein Eis.

Keine Fotomontage: Der Fahrer schleckt ein Eis.

Quengelware war für meine Mutter ein Graus. Kein Einkauf ging zu Ende, ohne dass meine Schwestern und ich an den Regalen links und rechts der Kasse irgendwas entdeckten, das wir haben wollten. So unbedingt und jetzt und hier, dass wir hin und wieder die Drohung „Das nächste Mal bleibst du zuhause!“ zu hören bekamen.
Klar, da wo Menschen anstehen, können sie nicht weg. Im Radio habe ich mir dieses Prinzip zunutze gemacht und Praktikanten und Praktikantinnen, die für eine Umfrage raus gingen, zum Reichstag geschickt. Dort stehen ebenfalls viele Leute in einer Schlange, die alle die Kuppel besichtigen wollen. Und können dort ebenso nicht weg (denn dann sind sie ja aus der Schlange raus). Noch schöner: Da sind Menschen aller Altersstufen und aus allen Regionen – perfekt für eine abwechslungsreiche Umfrage.

Nun aber gibt es Quengelware auf Rädern – Eiswagen. Also nicht wir bewegen uns zwangsweise an etwas vorbei, was für Kinder reizvoll ist, sondern es bewegt sich etwas an uns vorbei, was für Kinder reizvoll ist. Und hier hinkt der Vergleich mit der Supermarktkasse – denn der Eiswagen sucht uns heim.

Klar: Eiswagen gab es immer schon, aber erst seit meine Kinder der werberelevanten Zielgruppe angehören, nerven mich die Autos und ihre Fahrer enorm. Egal, wie vernünftig unsere Kinder im Bezug auf Süßigkeiten sind, egal ob sie heute bereits ein Eis in der Innenstadt oder aus der Truhe gegessen haben: Wenn der Eiswagen durch unser Wohngebiet kurvt, gibt es entweder ein Eis, oder Geschrei.

Was mich dabei ärgert:

  1. Der Wagen kommt vornehmlich abends um halb sieben – kurz vor dem Abendbrot, wenn unsere Lütten also garantiert kein Eis mehr essen dürfen.
  2. Der Eismann macht einen Heidenkrach. Er spielt Grußkartenmusik über eine Megaphon, scheppert einen Tusch und ein gesungenes „Ice-Creeeeaam“ durch den Lautsprecher und bimmelt wie blöd mit einer Glocke aus dem Fenster. Der Lärm durchdringt das ganze Haus und jegliche andere Beschäftigung.
  3. Das Eis schmeckt doof.

Kurzum: Als Vater von kleinen Kindern sind die Eiswagen meine Feinde. Sie stellen unsere elterliche Pädagogik immer wieder auf eine harte Probe. Sie provozieren entweder Kindergeschrei oder pädagogische Inkonsequenz.
Ich stehe dazu, dass ich Eiswagen hasse.

Vor lästiger Telefonwerbung kann man sich doch auch schützen, warum nicht vor Eiswagen?

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