Kommunion – Schützenfest reloaded?

Der Schmuck an der Straße wirkt ein bisschen wie beim jüngsten Schützenfest – doch der Grund, warum die Nachbarn in vielen Stunden Blumenmosaike, Palmenstöcke und Girlanden gefertigt hatten – ehrenamtlich natürlich – und die Vorgärten gepflegt hatten, war die Erstkommunion des Sohnes unserer Doppelhausnachbarn. Das ist ein dufter Kerl, gescheit, freundlich und der beste Buddy unseres Sohnes, insofern ist die floristische Ehrerbietung zu so einem Fest natürlich vollkommen berechtigt. Dennoch war mir diese Tradition, vor allem ihn ihrer Protokollhaftigkeit (hier treffen sich die Frauen zum Röschenbinden, da muss die Mutter des Kommunionkindes Kuchen hinbringen, in dieser Garage finden die letzten Vorbereitungen statt) neu. Von meiner eigenen Erstkommunion kannte ich sie nicht – einem schönen, aber nach außen unsichtbaren Familienfest – und in Berlin, so scheint es mir, tut man sich mit Traditionen eh schwer. Wahrscheinlich hat eine Stadt, die so dynamisch ist, einfach keinen Platz für Tradition. Vielleicht tu mich aber auch einfach schwer mit Traditionen. Da muss ich noch was lernen.

Apropos Schützenfest: Heute war im benachbarten Stadtteil Schützenfest. Die Kindergartengruppe unseres Sohnes hat für den Schützenkönig getanzt. Ich war nicht dabei, und das war auch gut so. Aber der Gedanke an einen höfischen Ankündiger, der „Tanzet für den König, Volk!“ ruft, ging mir den ganzen Vormittag nicht aus dem Kopf… während unser Steppke vor bewaffneten Betrunkenen das Tanzbein schwang. Ihm hat’s Spaß gemacht. Lernt man so Tradition? Dann hat mein Sohn mir etwas voraus.

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