Buch zur Digitalisierung

Es passt thematisch eher in den Kontext meines zweiten Blogs Spähgypten, doch auch hier sei ein Hinweis erwähnt:

Mein erstes Buch Die Mensch-App – wie Internet und Smartphone unsere Wirklichkeit verändern ist ab sofort als Taschenbuch und Ebook im Handel erhältlich – u.a. beim großen A und im lokalen Buchhandel (dort freilich nur das Taschenbuch). In dem Essay, der zwischen Oktober 2016 und Juni 2018 entstanden ist, geht es um die Folgen der alltäglichen Nutzung von Smartphones und Internetanwendungen für uns, also die Nutzer, und für unsere Gesellschaft.

Leitfragen sind:

  • Was passiert im Hintergrund, wenn wir auf dem Smartphone herumwischen oder im Internet herumklicken?
  • Was müssen wir tun, um mündige Bürger*innen der digitalen Welt zu sein?
  • Welche Rolle kommt dabei der Schule, den Medien, der Politik und der gesamten Gesellschaft zu?

Schwerpunkt ist der Begriff der subjektiven Wirklichkeit, die zunehmend über Displays wahrgenommen wird, und die Frage, wer in der digitalen Welt eigentlich wen kontrolliert. Die Mensch-App enthält viele Anfragen an die Mediennutzung der Leser*innen und möchte zur Selbstreflexion einladen. Das Buch richtet sich an alle, die bei der Nutzung von Internet und Smartphone hin und wieder ein mulmiges Gefühl beschleicht.

ISBN: 9783746741154 (Taschenbuch), 9783742730411 (Ebook)
Links: Amazon, Holzberg Lingen, Dom Buchhandlung Osnabrück

Presseschau auf michaelbrendel.de

Fahnenwahn reloaded.

Vor zwei Jahren hatte ich hier mein Unverständnis für den bundesdeutschen Flaggenwahn zum Ausdruck gebracht. Es war EM und meine neue Heimat schillerte in schwarz-rot-gold:

Die Flagge könnte für die oben beschriebene Abgrenzung stehen, für den Stolz, den die Fahnenbesitzer ihrem Heimatland gegenüber empfinden. Das ist ein Stolz, der auch exklusivistisch gemeint oder zumindest verstanden werden kann, nach dem Motto: Menschen aus anderen Ländern haben ja eigene Fahnen.
In unserer Gegend sieht man aber nur deutsche Fahnen. Wir sind hier nicht in Kreuzberg, Hamburg-Altona oder Köln-Kalk.

[…]

Flaggenverfechter werden antworten: „Wir wollen zeigen, dass wir Fans der deutschen Nationalmannschaft sind!“ Doch: Wem zum Teufel denn zeigen? Hier sind doch nahezu alle Fans der deutschen Spieler!

Zwei Jahre später bietet sich dasselbe Bild. Heute steigt Deutschland in die WM in Russland ein. Am ehemaligen deutschen Nationalfeiertag. Millionen Deutsche – auch ich – drücken der Nationalmanschaft die Daumen.
Wie 2016 möchte ich auch heute keinen Flaggenfreund vereinnahmen. Die Fahnen, die hier wieder tausendfach an Autos flattern, von Fenstern hängen oder in Siedlungen gehisst werden, enthalten in den meisten Fällen keine politische Aussage.
Doch bleiben sie missverständlich.

Nicht nur, dass Italien In diesen Tagen Flüchtlingsboote abweist.
In diesen Tagen wollen deutsche Politiker einer christlichen Partei die Grenzen schließen. Wie muss der zur Schau gestellte Stolz auf das eigene Land auf die Verzweifelten, Traumatisierten, Heimatlosen wirken? Und wer erklärt den Flüchtlingen bitte, dass habe doch alles nur mit Fußball zu tun?

Woran ich vor zwei Jahren nicht gedacht hatte: Auf unserer Mülltonne klebte damals ein Aufkleber in den Nationalfarben. Unser Vormieter hatte ihn offenbar zur WM 2010 darauf geklebt und ich hatte ihn beim wöchentlichen Tonnenrangieren nie so recht beachtet. Realisierend, dass meine Haltung gegenüber Nationalsymbolen etwas inkonsequent wirken könnte, habe ich die Nationalklebchen nun abgeschoben: von der Tonne in die Tonne. Damit sie nicht mit der Nachbarstonne verwechselt werden, habe ich stattdessen eine Müllmann-orangene Markierung draufgeklebt.
Wer will, darf sie gerne als Liebe zu Holland missverstehen.
Die spielen bei der WM ja nicht mit.

 

[Update 23.6.]Dazu passend: Ein Tweet von einem, der Flagge gezeigt hat.
Danke, Michaela!